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Der hüpfende Floh im Winterurlaub - Pilsum 2012

Wie sechs unterschiedlichste Menschen sich den Traum vom selbstgebauten Instrument erfüllten !

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Gebaut hatte ich die kleinen Dinger ja schon öfters, ... mit Jugendlichen in der Berufsbildungswerkstatt und Schülern der benachbarten Hauptschule.  
Alles vor dem Hintergrund von „Somewhere over the Rainbow“, dem Remake vom Film-Song aus „The Wizzard of Oz“. Der körpergewaltige Hawaianer ließ das kleine Instrument fast vor dem Hintergrund seiner Brust zu dem werden, was es übersetzt aus dem Polynesischen heißt: Der hüpfende Floh ... wohl wegen der pling-plöing-pläng Töne, die an den springenden Blutsauger erinnern, .... Die Ukulele !
Schon vor dem Charts-Hit aus der Südsee wuchs die Popularität in der Musikwelt stetig an. In Europa besonders durch Ensembles wie „The Ukulele Orchestra of Great Britain“

So folgten in diesem Jahr sechs Menschen meinem Angebot im Rahmen eines Workshops ihre eigene Sopran-Ukulele zu bauen. Menschen, die unterschiedlicher von Ihrem Alter, Beruf und Lebensgeschichten nicht sein können.
Angefangen mit einem Realschüler, 11, aus der Nachbarschaft, der sich den Kurs zum Geburtstag gewünscht hat. Dann meldete sich per Mail ein 62-jähriger Herr. Auf meine Anfragen, ob er schon ein bißchen handwerkliche Erfahrungen, besonders im Holzbereich, hätte, bekam ich eine klasse Antwort: „ Nö, mit Holz hätte er noch nicht so viel gemacht,..deshalb wolle er ja am Ukulelenbau ein paar Kenntnisse aneignen. Und ansonsten hätte er im weitesten Sinne auch mit Handwerkszeug zu tun: Er wäre Handchirurg...
Als Nächste meldeten sich ein Chemietechniker, Mitte dreißig und eine Behinderten-Pädagogin, Anfang vierzig. Die erste Baukolonne war komplett.

Mehr hätte meine vier-Qm-Dachwerkstatt auch gar nicht räumlich verkraftet. Jeden Freitagnachmittag und Samstagvormittag wurde jetzt geraspelt, gehobelt und geleimt.....und geschliffen, geschliffen, und nochmals geschliffen !!
Der Schüler, Jesper heißt er, hatte ganz klaren Heimvorteil : Er hatte schon knapp zwei Wochen vor den anderen Drei begonnen und war natürlich so heiß darauf mit seiner Arbeit voran zu kommen, dass er fast jeden Abend von halb sechs bis um sieben gearbeitet hat. Ich hatte ja genug mit den laufenden Arbeiten in der Werkstatt zu tun, sodass er jede Minute werkelte,...... selbst wenn er mal nur für eine halbe Stunde ´rüber geflitzt kam, um die Übungspause für eine Klassenarbeit für ein wenig „Kopf-frei-schleifen zu nutzen.

Monika und Frank legten richtig los und raspelten sich schnell zur gewünschten Halsform. Der Doc war durch fam. Verpflichtungen erst zeitl. ein wenig ausgebremst, aber er holte rasch durch Zwischentermine arbeitsmäßig auf. Da war der letzte Patient genäht und gut versorgt, da hatte er auch schon wieder Holzspäne in den Haaren....
Toll war die Schnitzerei als es an die Einlegearbeiten an der Kopfplatte ging: Feine Furniere und Perlmutt sollten die Initialien der Teilnehmer darstellen und Pumuckel (so hatten wir Monika wegen ihrem orangefarb. Haarschopf getauft) erreichte die Meisterschaft im Perlmutt-Vögel und Schneeflocken-in-Griffbrett-Einlegen.
... und der Doc verzweifelte mit dem Skalpell an seinem Furnier-B. Das dünne Ahorn war spröder, als die Gewebe, die er sonst als Chirurg mit seinem Werkzeug durchtrennt.

Für Jesper ging es schon in die Endrunde: Das Griffbrett war aufgeleimt und der Steg musste gebohrt werden. Abstand der äußeren Saiten : 46 mm...und die hieß es nun durch drei zu teilen. Da stand ein 11-jähriger, der allen Teilnehmern des Workshops in Sachen wie Umgang mit den Werkzeugen, Formgebung, Arbeitstempo, Lockerheit und Schönschliff weit voraus war, vor der Weltformel 46 : 3 ! Wie viele 11-jährige seiner Generation stand er vor der scheinbar unlösbaren Aufgabe, ohne zu googlen, Wiki-dingsda , den Telefon-Joker oder das Publikum zu fragen, diese schwierige Division zu lösen. Seine Antwort : „ Das geht nich !“ ... wurde zum „running gag“ der Truppe. Immer, wenn irgendetwas nicht klappte, versuchte man sich durch ein „Das geht nich“ aus der Affäre zu ziehen.

Das Ergebnis wurde dann salomonisch gefunden: 15 mm und „en Bissken“ !
Nach und nach näherten sich alle dem ersehnten Ziel und jeder konnte das Wort „Schleifpapier“ nicht mehr hören. Aber höchst bemerkenswert war festzustellen, dass sich alle untereinander halfen und dem anderen zur Hand gingen.
Angespornt von Jesper´s Erstlingswerk, welches die Saiten schon drauf hatte, legten die restlichen Drei letzte Kräfte frei und beendeten nach bis zu 70 Std. erfolgreich ihren Workshop. Der Traum vom selbstgebauten Instrument war Wirklichkeit geworden.

Ende September begann die zweite Workshop-Runde mit Monika und Lothar.
Lothar, Anfang 60, war schon im Instrumentenbau sehr fortgeschritten und hat einige tolle E-Gitarren gebaut ,inkl. der selbstgewickelten Pickups ...Respekt ! Er hat sich als Korpus für seinen Uku-Korpus für Zebrano entschieden und so ein schönes „Streifenhörnchen“ gebaut.
Monika,“ die Ältere“, hat genauso rote Haare, wie Monika, „die Jüngere“ und eine gewisse Seelenverwandtschaft konnte man erahnen : Pumukel gestaltete die Kopfplatte ihrer Uku, wie eine B.C. Rich Mockingbird, was dem Kleinen direkt den Namen „ Pommes-Picker“ einbrachte..... recht schräg !... aber die beiden Spitzen sahen aus, wie ein „Krebsscheren-Segel“ der polynesischen Meernormaden....
Ganz anders,..aber ganz , die Konstruktionsweise von Monika´s Havanna-Kiste:
Sie griff auf Halbzeuge zurück, die ihre Lieferanten mit einer weiteren Schicht Teer auf den Bronchien bezahlten : Zigarrenkisten !
Ich wollte die “cigar box guitar“ (Behelfsgitarre der armen Leute in den amer. Südstaaten) immer schon mal als Bauweise ausprobieren. Alles an Steuerbanderolen und „Rauchen kann tödlich sein „-Aufklebern konnten wir leider nicht retten, aber auf dem Boden prangt die Einbrennung „ 20 fine Nicaragua Cigars“.
Monikas Hand war nicht ganz so trainiert und so musste die ein oder andere Stelle an ihrem Uku-Hals darunter leiden. Da war die Raspel dann doch schärfer als sie dachte und ein Stück Cedro musste wieder dran geleimt werden.
Lothar merkte man seine Übung im Umgang mit Werkzeug an und sein Werk schritt schnell voran. Da war es bald soweit, dass der Steg aufgeleimt werden konnte und die Saiten gespannt wurden. Der kleine Piezo-PU war gut unterm Steg verbaut und der Floh war mächtig laut.
Jetzt stellte sich nur ein Problem Lothar´s Spielfreude in den Weg: Seine Finger sind für den zierlichen Hals einfach zu breit ! Wenn eine Fingerkuppe für drei Saiten reicht....
Die Zigarrenkiste bekam jetzt auch Saiten und es stellte sich heraus, dass die rechteckige Box mit der dünnen Fichtendecke einen enorm lauten, tragenden Klang hatte. Das Experiment ist positiv verlaufen und die nächsten Kisten werden schon leer geraucht.

Als nächsten Klangkörper werde ich versuchen aus einer Thunfischdose eine Uke zu bauen. Der hamburger Kollege Karsten Schnoor hat es schon erfolgreich geschafft und war so freundlich mich ein wenig zu beraten. Zu sehen ist der Bauprozess auf youtube unter „tuna tunes Doku“....
Ich werde versuchen das Tuna-Projekt wieder mit der benachbarten Hauptschule zu realisieren.

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